Vor 150 Jahren sah sich die westliche Gesellschaft mit den Anfängen der modernen Zeit konfrontiert. Mit der Industrialisierung kamen brutale und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Die moderne Wissenschaft fegte das Mystische und Magische mit Atomen und Molekülen hinfort. Das Viktorianische Zeitalter, dessen soziale Normen auf Repression und Selbstverleugnung basierten, war bereits schon im Gange.
Kaum überraschend verkörperte das gothic movement in der Literatur alles, was die Kultur des 19. Jahrhunderts nicht war: Es erkannte den Horror eines starren Kasten Systems (Charlotte Bronte's Wuthering Heights), einer arroganten Wissenschaft (Mary Shelley's Frankenstein) und der Unterdrückung der Fleischeslust (Bram Stoker's Dracula). Diese Bewegung war der kollektive Alptraum einer Gesellschaft, welche durch ihre eigene Macht geisteskrank wurde.
In den folgenden fünfzig Jahren fanden sowohl große Veränderungen für den Schutz der Arbeiterrecht und der Sicherheit, sowie eine Regulierung der Industrie, wachsende soziale Mobilität und Förderung der sexuellen Freizügigkeit statt. Die Dunkelheit, die die Gesellschaft überschattet hatte begann sich aufzulösen.
Im späten 20. Jahrhundert kam das industrielle Werte-System in Form des Neo-Liberalismus zurück. Längere Arbeitswochen, zurückgehende Arbeitssicherheit sowie die Zurücknahme von Vorteilen wurden mit der global economy gerechtfertigt. Die Viktorianische Haltung gegenüber den Armen wurde "entstaubt" und als Neuerung präsentiert. Die Religion gedieh wieder.
Und die Goths sind zurück.


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